Das Einleben in Oshipeto

Nun leben wir schon einige Zeit in Oshipeto und haben uns mittlerweile erstaunlich gut an die hiesigen Lebensumstände, die sich so sehr von Deutschland, selbst auch schon von Windhoek unterscheiden, gewöhnt. In diesem Blog-Beitrag möchte ich den Schwerpunkt auf das Schulgelände und unsere Wohnsituation legen.

Von Montag bis Freitag unterrichten Tom und ich an der Blandina Neema Private Primary School in Oshipeto.

Der Schulkomplex ist ziemlich groß: Er umfasst ein Hostel, sprich ein Internat, für die Jungen sowie ein Anderes für die Mädchen.

Weiterhin gibt es zwei Gebäude, in denen sich die Klassenräume und die Büros für die Lehrer befinden.

Tom und ich sitzen mit der Schulleiterin und zwei anderen Schwestern, die als Lehrerinnen tätig sind, in einem Büro und haben dort unseren eigenen Schreibtisch, an dem wir unsere Stunden vor- und nachbereiten können.

Zusätzlich gibt es ein Haus für die Sisters und eine Aula bzw. eine Halle, wo auch gegessen wird. Etwas weiter abseits befindet sich eine kleine Kirche, in der jeden Sonntag eine Messe stattfindet.

Umgeben wird das Gelände von einem großen Feld, welches man, sofern es im Laufe des Jahres Regen gibt, bewirtschaften kann.

Und dann ist da natürlich noch unser Haus: Dieses besteht aus einem Esszimmer mit einer Küche, zwei Badezimmern, wovon eins uns gehört sowie drei Schlafzimmern, von denen Tom und ich uns eins teilen. In den anderen beiden schlafen weitere Lehrer.

Um ehrlich zu sein, hatten Tom und ich schon erstmal ein mulmiges Gefühl, als wir zum ersten Mal durch unser neues Zuhause gegangen sind: Der Zustand und die Bauweise der Zimmer sind mit deutschen Verhältnissen einfach schwer zu vergleichen.

Dieser Eindruck wurde auch noch dadurch verstärkt, dass es in den ersten Tagen in der Region kein fließendes Wasser gab.

Jedoch haben wir uns schnell von diesem ersten Eindruck verabschiedet und haben angefangen, alles einzurichten und unsere Sachen auszupacken.

Mittlerweile fühlen wir uns schon sehr wohl hier: Von den Schwestern bekommen wir in regelmäßigen Abständen Lebensmittel zur Verfügung gestellt, mit denen wir uns kochen können, was wir wollen bzw. was wir können.

Große Vielfalt gibt es hier beim Essen zwar nicht, aber wir haben Toast und Erdnussbutter zum Frühstück und mit Nudeln, Kartoffeln, Reis, Eiern, Zwiebeln und Tomaten haben wir mit unserem Gasherd schon verschiedene Gerichte gekocht. Selbst im Abwaschen sind wir jetzt schon Profis, denn eine Spülmaschine gibt es hier natürlich nicht.

Gewöhnlich kochen wir für uns mittags, nachdem wir die Schüler unterrichtet haben. Am Abend kommen dann meistens alle Lehrer und Lehrerinnen im Esszimmer zusammen, welches gleichzeitig auch den Gemeinschaftsraum darstellt.

Dort wird dann meistens noch einmal gekocht und Tom und ich dürfen mitessen. Die Lehrer, die hier unterrichten, sind alle noch ziemlich jung (bis auf die Rektorin der Schule sind alle unter 30), sodass das „WG-Leben“ mit diesen auch Spaß macht und wir das Gefühl haben, dass wir gut in die Runde hineinpassen.

Ungefähr einmal in der Woche waschen wir unsere Wäsche, was auch ohne Waschmaschine gut klappt: Erst waschen wir unsere Wäsche in mehreren Eimern und hängen sie dann zum Trocknen über einen Zaun hinter unserem Haus auf. Ein paar Stunden von der afrikanischen Sonne reichen dann schon aus, bis die Wäsche wieder trocken ist.

Mittlerweile haben wir auch schon mehrere Strom- und Wasserausfälle erlebt, sodass dies für uns gar nicht mehr besonders ist: Wasserausfälle können auch mal mehrere Tage lang dauern, während der Strom meistens nur für einen Tag lang weg ist.

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr man sich freut, wenn man nach ein paar Tagen ohne Wasser den Hahn aufdreht und auf einmal wieder etwas herauskommt.

In Deutschland hätte ich nie gedacht, dass ich mich irgendwann einmal so über Wasser freuen würde.

Auch wenn das Leben hier einige Umstellungen erfordert, freue ich mich sehr über die Möglichkeit, hier leben zu dürfen.

Auch zwei Wochen nach der Ankunft in unserem Projekt sammeln wir noch jeden Tag neue Erfahrungen und trotzdem fühlt es sich mittlerweile so an, als ob man hier bereits seit einer ganzen Weile wohnen würde.

Letztendlich weiß ich jetzt schon, dass ich hier genau das bekomme, für das ich mich vor meinem Auslandsjahr entschieden habe: Ich wollte ein Jahr lang ein komplett anderes Leben führen als in Deutschland und dieses Leben lebe ich genau hier und jetzt.

Auch wenn einige Dinge in Deutschland einfacher sind, starte ich jeden Morgen mit viel Motivation in den Tag und bin gespannt, welche neuen und interessanten Dinge mich heute erwarten.

Und genau für diese Erfahrungen verzichte ich dann doch fast gerne auf deutschen Käse oder gutes Paderborner Brot. 😉

Im nächsten Blog-Eintrag werde ich dann über unsere Hauptaufgabe, das Unterrichten in der ersten bis dritten Klasse, berichten.

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2 Gedanken zu “Das Einleben in Oshipeto”